Der Sechsstädtepokal
Konventprotokoll des Löbauer Konventbuches
Der heute noch vorhandene Pokal ist nicht der einzige in der Geschichte des Bundes gewesen. Es gibt noch einen Pokaldeckel von 1619, aber keinen weiteren Hinweis dazu. Von Ersterem erfahren wir etwas am 21.11.1679. Im Konventprotokoll steht, dass die Vertreter der Städte Geld für einen Pokal bewilligen. Wahrscheinlich ist er dann 1680 in Haida gefertigt worden. Laut den Weinkellerrechnungen war die Frau Bürgermeister für die Pflege des Pokals verantwortlich.
Der Pokal könnte sicher viele Geschichten erzählen. Einige sind aufgeschrieben. Auf Blatt 2 des 1. Löbauer Konventbuches heißt es:"Weil allhier mit Nutz und Frommendie Sechsstädt zusammenkommen, haben die hochweisen Alten, gute Freundschaft zu erhalten, sich ein großes Glas erlesen, das der, so nicht da gewesen, pflegt auf aller Gutbedünken treu- und redlich auszutrinken." (St 4)
Trotz trinkfreudiger Zeiten war es nicht so leicht, einen 3-Liter Weinpokal zu leeren. Jeder neue Abgeordnete hatte diese "Pflicht" zu absolvieren. Christian Segnitz, späterer Bürgermeister Löbaus, leerte den Pokal am 19.6.1682 mit Bravour, denn er verfasste anschließend im Konventbuch u.a. noch folgende Verse:

- Sechstädtepokal
"Es florieren die Sechsstädte
Und derselben edle Räte
In gewünschter Friedensruh!
Ja, es müssen immerzu
Ihre heissen Eintrachtsflammen
Brennen lichterloh zusammen,
dass bei jeder insgeheim
Möge lauer Wohlstand sein
Und sie unterm grossen Sachsen
Können unaufhörlich wachsen." (St4)
1597 soll der Trunk aus dem Pokal ein nicht so enthusiastisches Ende genommen haben, denn 3 Teilnehmer starben nach wenigen Tagen. Ob der damals von Kamenz mitgebrachte Wein schuld war, ist bis heute nicht bewiesen.
Heute hat der Pokal einen Holzfuß, man sagt, der Glasfuß sei bei der letzten Sechsstädtebundrunde 1814 zerbrochen. Andere sagen, er sei später kaputt gegangen. Wie auch immer, freuen wir uns, dass dieses Zeugnis einer fruchtbringenden gemeinsamen Landespolitik heute noch da ist.
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