Das Ende des Sechsstädtebundes

- Stadtmuseum Löbau
Das Ende des Bundes der Sechs-Städte hatte wenig mit den Städten selbst zu tun. Der Bund hatte sich bis ins 18.Jahrhundert an den aktuellen Aufgaben der Zeit entwickelt. Die Ursachen des Endes sind europaweit zu suchen. Nach der Französischen Revolution 1789/95, der die Machtergreifung Napoleons folgte und seiner grenzenlosen Machtgier, war Europa wieder einmal Kriegsschauplatz.
Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war in die Hände Napoleons gefallen. Durch die Gründung des Rheinbundes 1806 von napoleontreuen deutschen Staaten und durch den Sieg Napoleons bei Jena und Auerstedt 1806 war das deutsche Reich vernichtet. Sachsen gehörte dem Rheinbund an und war von Napoleon zum Königreich ernannt worden. Und so hatte es 7 Millionen Taler Kriegskosten zu tragen. Die Summe zahlten die Gemeinden. Löbau zahlte 14 408 Taler.
Napoleons Rußlandfeldzug (für die Oberlausitz von vielen Kriegsdurchmärschen, die das Volk in größte Not brachten, bestimmt) begann 1812 mit ca. 612 000 Mann. Es waren Franzosen und Soldaten aller abhängigen Länder. Geschlagen kehrte er mit ca. 30 000 Mann zurück. Halb verhungert und erfroren, schleppten sie Krankheiten ins Land. Im März 1813 folgte die preußisch-russische Armee. Bis in den September waren beide Armeen in der Oberlausitz und bekriegten sich.
Mit der Niederlage Napoleons bei Leipzig im Oktober 1813 verlor im Ergebnis dieses Krieges Sachsen als Verbündeter Napoleons einen großen Teil seines Landes an Preußen. Die Oberlausitz war davon betroffen. Das Gebiet von Görlitz und Lauban gehörte ab da zu Preußen.Am 23.September 1814 tagte letztmalig der Sechsstädtebund offiziell, Görlitz und Lauban gehörten nicht mehr dazu, die Oberlausitz war getrennt.
Der Vierstädtebund tagte noch bis zum 14.4.1868.

- Ausstellung Stadtmuseum Löbau
Die Bedeutung des Bundes verlor sich zusehends. Auch die neue Sächsische Verfassung von 1831, bei der gleichzeitig die Oberlausitz ins Sächsische Königreich "einverleibt" wurde (bis dahin noch erbliches Mannslehen), spielte eine wichtige Rolle.
Die Bedeutung des Bundes sieht Prof. Otto Staudinger u.a. so:
"Von der Notwendigkeit gemeinsamer Beschlüsse waren alle Konvents- teilnehmer überzeugt. Darum herrschte allenthalben der gute Wille zu einmütigem Vorgehen." (St 6)
"Bei der Gründung war der Sechsstädtebund nur ein loses Bündnis zur Bekämpfung von Friedensbrechern und Straßenräubern, das der Unsicherheit und Schutzlosigkeit im Verkehrs- und Rechtsleben seine Entstehung verdankte. Aber aus diesen primitiven Anfängen war ein Bund erwachsen, welcher alle anderen Städtebünde überdauerte und sich in der Geschichte des deutschen Städtewesens eine ehrenvolle Stellung erwarb. Die Harmonie im Bunde wurde manchmal infolge der Sonderinteressen der einzelnen Städte arg gestört, aber doch immer wieder hergestellt. Das Gemeinschaftsbewusstsein schweißte die Städte immer mehr zusammen, (und) ihre Einzelinteressen ordneten sich schließlich immer unter (die Interessen des Bundes)." (St21)